Die Erprobungsstufe (Jahrgangsstufen 5 und 6)

Was ist die Erprobungsstufe?

Die Erprobungsstufe umfasst die Klassen 5 und 6 mit der zunächst einmal erfreulichen Vorgabe, dass es beim "Übergang" in die Klasse 6 keine Versetzungssorgen gibt, andererseits aber auch Wiederholungen von Teilabschnitten möglich sind. Die beiden Klassen bilden nämlich eine pädagogische Einheit. Eine 'richtige' Versetzung findet erst am Ende der Klasse 6 statt.

Welche Ziele verfolgt die Erprobungsstufe?

Das sagt eigentlich schon der Name: Nach dem Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule soll beobachtet werden, ob die gewählte Schulform für die Schülerinnen und Schüler wirklich geeignet ist. In den meisten Fällen trifft das zu. Dreimal im Jahr werden Erprobungsstufenkonferenzen durchgeführt, in denen die Fachlehrer/-innen über die individuelle Entwicklung der Kinder und über etwaige Schwierigkeiten beraten und besondere Fördermöglichkeiten absprechen. In besonderen Fällen können Kinder bereits am Ende der 5. Klasse die Schulform wechseln.

Ansonsten entscheidet am Ende der Erprobungsstufe die Versetzungskonferenz mit der Versetzung in die Klasse 7 auch über die Eignung für die besuchte Schulform, oder sie empfiehlt gegebenenfalls einen Schulformwechsel.

Die Eltern erhalten mit dem Halbjahreszeugnis der Klasse 4 eine "begründete Empfehlung" für die weiterführende Schule und treffen dann die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn ihres Kindes. Die Kinder, die im Februar bei uns angemeldet werden, betreten nach den Sommerferien erstmals 'richtig' das ihnen noch unvertraute Terrain des Gymnasiums.

Was ist neu?

Der Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium bringt natürlich nicht nur die Umstellung auf eine andere Umgebung – mit einem kompliziert weitläufigen Schulgebäude, vielen Fachräumen, der rappelvollen Eingangshalle und den verschiedenen Schulhöfen – mit sich, sondern bedeutet auch:

  • neue Mitschüler,
  • neue Unterrichtsfächer,
  • neue Lehrer ... ... ...

Um mit letzteren anzufangen, erleben unsere "Neuen" erstmals, dass es für (fast) jedes Fach einen anderen Lehrer gibt. In der Grundschule haben sie nur wenige Fachlehrer/-innen kennen gelernt, waren vier Jahre lang hauptsächlich mit ihrer Klassenlehrerin zusammen, was ganz selbstverständlich zu engen persönlichen Bindungen geführt hat, die vielfach lange über die Grundschulzeit hinaus bestehen bleiben.

Auch die Arbeitsformen unterscheiden sich zumindest teilweise. Nicht immer sind die Schüler in der Grundschule an das Raster von 60-minütigen Unterrichtsstunden gebunden. In der „Freiarbeit“ können sie sogar selbst über ihre Arbeit bestimmen, zwischen unterschiedlichen Materialien auswählen und dabei recht frei über Raum und Zeit verfügen. Die Klassenräume der Grundschulen bieten Platz für verschiedene Lerngruppen, haben häufig sogar richtig gemütliche Nischen, in denen erzählt und gespielt wird.

Wer sich solche Merkmale der Grundschule vor Augen hält, wird verstehen, dass manchen Kindern der Übergang nicht ganz leicht fällt. Wir versuchen daher mit Kräften, den Kindern den Übergang in das neue Schulleben so weit wie möglich zu erleichtern.

Gestaltung der Erprobungsstufe

Klassenbildung

In der neuen Klasse finden die Fünftklässler auch Schülerinnen und Schüler aus ihrer "alten" Klasse wieder. Normalerweise teilen wir nämlich alle Kinder einer Grundschulklasse der neuen Klasse zu. Die Kinder können aber bei der Anmeldung auch Wünsche äußern, mit wem sie gern oder nicht mehr zusammen sein möchten.

Lehrer/-innen

Die Zahl der in einer Klasse tätigen Fachlehrer/-innen wird möglichst gering gehalten. Dass das ehemalige Grundschulkind dennoch überraschend viele neue Lehrer kennen lernt, ist einfach nicht zu vermeiden, sollte ihm aber auch eine Menge neuer, guter Erfahrungen einbringen. Die in einer Klasse tätigen Lehrkräfte tauschen immer wieder, nicht nur in den Konferenzen, ihre Beobachtungen aus. Der Wechsel von Klassen- und Fachlehrer/-innen findet i. d. R. nach der 7. Klasse statt.

Kontakte zu den Grundschulen

Lehrerinnen und Lehrer, die häufig in der Erprobungsstufe unterrichten, hospitieren in den Hertener Grundschulen und besprechen mit den Grundschulkollegen mögliche Schwierigkeiten des Übergangs. Unsere Englischlehrer haben sich über Inhalte und Methoden des Englischunterrichts in den 4. Klassen informiert. Seit dem 2015 gibt es auch einen sog. Lehrersprechtag, an dem sich die ehemaligen Lehrer/-innen der Grundschulen mit den neuen Lehrer/-innen der weiterführenden Schulen treffen und sich über ihre Beobachtungen und Eindrücke ihrer Schützlinge austauschen.

Die Grundschulpädagogen nehmen auch an den ersten Erprobungsstufenkonferenzen teil und geben uns immer wieder hilfreiche Hinweise zur Entwicklung der neuen Gymnasiasten.

Beratungsgespräche

Klar, dass wir Lehrer/-innen über Ihre Kinder sprechen und unsere Beobachtungen austauschen, nicht nur in den regulären Erprobungsstufenkonferenzen (s. o.). Die Eltern laden wir zu unseren Sprechstunden und den Elternsprechtagen ein, die wir für die Kinder in den Klassen 5 und 6 an einem separaten Termin durchführen.  Aufkommende Schwierigkeiten können so möglichst früh in Angriff genommen werden.

Schüler-Paten

Sie heißen 'Moderatoren' und sind Schülerinnen und Schüler aus höheren Klassen, auch als Streitschlichter geschult. Je zwei von ihnen werden einer Klasse zugeteilt, die sie dann durch die Erprobungsstufe begleiten. Sie kümmern sich um unsere Neuanfänger, nehmen am Klassenfindungsprogramm teil und sind auch sonst immer ansprechbar.

Schnuppernachmittag

Kurz vor den Sommerferien, am Schnuppernachmittag, lernen die Kinder ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler, ihren Klassenlehrer und ihren zukünftigen Klassenraum kennen und können danach ganz beruhigt in die Ferien gehen.

Die ersten Schultage

Auch die Gestaltung der ersten Schultage dient vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen. Die Klassenlehrer machen die Kinder mit dem weitläufigen Schulgebäude, mit Regeln und Ritualen vertraut und sprechen bei einem gemütlichen Frühstück organisatorische Fragen an. Die Fachlehrer, von den Kindern neugierig erwartet, bringen sich entsprechend ihrer fachlichen Ausrichtung ein, lassen die Kinder z.B. 'Steckbriefe' und Geburtstagskalender erstellen und besprechen Schulwege und Schulordnung.

Der Fachunterricht widmet sich zunächst schwerpunktmäßig der Übergangssituation. Im Deutschunterricht stellen sich die Schülerinnen und Schüler vor, informieren sich und geben die gewonnenen Informationen weiter. Texte werden besprochen, Bildergeschichten umgesetzt, Erzählungen geschrieben, die die neue Situation thematisieren. Im Erdkunde-Unterricht geht es um die Frage, woher die Mitschüler kommen, wie es in den verschiedenen Stadtteilen aussieht, wie die Verkehrswege beschaffen sind. Das Fach Religion stellt sich auf die Erwartungshaltungen der Schüler ein, auf mögliche Ängste und das neue Zusammenfinden in der Klasse. Wenn im Fach Kunst Selbstporträts entstehen, ist zugleich auch eine erste Ausgestaltung des Klassenraums angesagt.

Klassenfindungstage

Da in den Klassen Schüler/-innen aus verschiedenen Grundschulen zusammenkommen, wird der Prozess des Kennenlernens und der Klassenfindung durch besondere pädagogische Maßnahmen gezielt gefördert. Aus Kostengründen verzichten wir auf eine Kennenlernfahrt und organisieren Klassenfindungstage, die denselben pädagogischen Wert haben.

Einer dieser Tage hat möglicherweise die Bauspielfarm, das Forsthaus Haidberg oder den Schulbauernhof zum Ziel, wo Buden entstehen, Stockbrot gebacken wird – und alle erkennen: Zusammen macht es mehr Spaß! Der kreative Aspekt kann im Theater verfolgt werden: Alle machen mit, ob in der Technik, beim Schminken oder als Schauspieler. Auch gemeinsame sportliche Aktivitäten sind wichtig, über den Sportunterricht hinaus. Deshalb werden Sportlehrer oder Sportstudenten an einem der Klassenfindungstage Spiele anbieten, aus denen man lernt, dass alle in der Klasse ihren Anteil daran haben, ob man ans Ziel kommt oder nicht.

Für die drei genannten Aktivitäten werden nur geringe Kosten anfallen.

Erprobungsstufen-koordinatorin

Frau Kirchberg